Verein Connect Café in Projektphase Subvention entzogen

Im Jahr 2010 gewährte der Kanton Basel-Stadt, vertreten durch die Abteilung Jugend- und Familienförderung des Erziehungsdepartements, dem Verein Connect Café für ein Jugendinformationszentrum Subventionen in der Höhe von insgesamt 296‘000 Franken (je 148‘000 Franken für die Jahre 2010 und 2011).

Als Grundlage für die Subventionierung der Jugendinformationsstelle Connect Café beruft sich das Erziehungsdepartement auf das Konzept Offene Kinder- und Jugendarbeit Kanton Basel-Stadt 2006. Dort wird unter anderem festgestellt, dass im Bereich der Jugendinformation (vgl. pp. 24 und 34) und Jugendförderung Lücken bestehen.

Doch nach nur gut einem Jahr zieht das Erziehungsdepartement am 19. April 2011 seine Subventionszusage vorzeitig zurück mit folgender Erklärung:

«Die Informations- und Projektstelle für junge Menschen ‹Connect Café› im Unternehmen Mitte schliesst per Ende Mai 2011 ihren Betrieb. […] Das Er­zie­hungsdepartement möchte die gemachten Erfahrungen für die Ent­wick­lung anderer Jugendinformationsprojekte nutzen und die Frage, wie Jugendliche am besten über für sie wichtige Themen informiert werden können, weiterhin mit verschiedenen Partnern verfolgen.»

Was war geschehen, wo doch das Erziehungsdepartement bezüglich der Erneuerung der Subventionen im Vertrag mit dem Connect Café festhält?

«Spätestens am 30. Juni 2011 stellt der Verein Connect Café den Antrag zu Verhandlungen über eine allfällige Erneuerung dieses Subventionsvertrags. Als Basis für die Vertragserneuerung wird ein Rückblick auf die bisherigen Ent­wick­lungen namentlich zu den Finanzen und Leistungen erstellt. […] Grundlage für eine mögliche Verlängerung des Vertrags stellt eine noch zu erstellende Evaluation dar.»

Der Evaluationsbericht der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) vom April 2010[1] wurde dem Schreibenden vom Erziehungsdepartement nach längerem Hin und Her in einer teilweise geschwärzten Fassung zugänglich gemacht. Die Autoren Olivier Steiner und Andreas Theisen-Menn halten in der Studie einleitend etwas kryptisch fest:

«Zum Konzept und den darin vorgestellten Zielen ist festzuhalten, dass der Detaillierungsgrad des Konzepts und die Konkretisierung der Ziele gering ausfallen. Die Evaluation schätzt insofern eher das Entwicklungspotential des Projekts ein, als eine methodisch, bzw. wissenschaftlich fundierte Wirkungs- oder Erfolgsmessung.»

Der Bericht hält weiter fest, dass die lmplementation des Connect Cafés «von fast allen befragten» Fachleuten aus dem Bereich der offenen Kinder und Jugendarbeit – es handelt sich gerade einmal um vier Personen – kritisch beurteilt wird. Die Kritik der institutionellen Vertreter richtet sich jedoch nicht primär gegen das Angebot der Jugendinformationsstelle Connect Café, sondern gegen die unklare Auftragsvergabe sowie die man­gel­nde Transparenz bei der Verteilung und der Höhe der einzelnen Subventionsverträge. Die verschiedenen Meinungen zusammenfassend, geben die interviewten Vertreter für den Bericht zu Protokoll:

«Im Dschungel Basel sind es zuviel, es gibt genug Players. […] Das Geld ist das heikelste Thema, jeder muss auch noch extern Geld auftreiben. Da ist schon die Frage, wird es für das richtige ausgegeben. Die Frage wird zu klären sein. Im Moment fehlen die Informationen dazu noch.»

Die in der Studie befragten Institutionsvertreter schätzen den Zeitraum, der für eine Beurteilung der Entwicklung des Pilotprojekts zur Verfügung steht, als zu kurz ein, um dezidierte Aussagen vornehmen zu können. Sie beurteilen jedoch als positiv, dass Jugendliche an dem Aufbau der Infrastruktur des Projekts beteiligt wurden. Eine Fach­person hebt hervor, dass die Entstehung des Connect Cafés partizipativ mitgestaltet werden könnte und dass das Projekt eine Lücke unter den vielen Angeboten in Basel schliesst. Ein Vorteil des Connect Cafés sei, dass Informationen und kompetente Fachpersonen an einem Ort vereint sind und dass das Informationsangebot mit Beratung verknüpft werden kann.

Obwohl sich die Aussagen der Institutionenvertreter weitgehend decken, ist davon aus­zu­gehen, dass es sich um deren private Meinung – statt um die offizielle Auffassung ihrer Institutionen – handelt. Sie ist daher auch nicht repräsentativ. Um diese zu erfahren, hätte die Stellungnahme der IG Offene Kinder- und Jugendarbeit eingeholt werden müssen, die aber schon im Vorfeld hinsichtlich der Bedarfsabklärung für eine Jugendinformationsstelle «ausgeblendet» wurde.

Ist das Projekt Jugendinformationsstelle Connect Café Opfer einer man­gel­haften Planungsstruktur und einer leichtfertigen Mittelvergabe durch die Behörden geworden?

Eine interviewte Fachperson der offenen Kinder- und Jugendarbeit weist explizit auf die Notwendigkeit eines «Sozialraummanagements» und einer «Jugendsozialrevision» – was immer auch darunter zu verstehen ist – hin. Andere Fachpersonen unterstreichen die Notwendigkeit der Klärung von Zuordnungen und Schnittstellen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Am 20. April 2011 schreibt 20 Minuten Online:

«Vorzeitiges Aus für das Connect Café. Nach gut zwei Jahren schliesst die In­for­mations- und Projektstelle für junge Menschen […] Ende Mai seine Türen. […] Laut einer Evaluation des Erziehungsdepartements konnte es jedoch ver­schiedene Erwartungen nicht erfüllen. Die gemachten Erfahrungen sollen aber weiteren Überlegungen zur Jugendförderung dienen.»

Es bleibt bis heute die Frage unbeantwortet, in welcher Form das Erziehungs­de­par­te­ment das Anliegen einer Jugendinformationsstelle weiterverfolgt. Sieht man sich die Trak­tan­denlisten der Kommission für Jugendfragen an, so wurden bisher weder die Schliessung des Connect Cafés und deren Folgen für die offene Kinder- und Jugend­arbeit noch ein mögliches Folgeprojekt besprochen. In der Subventionsliste des Er­zie­hungsdepartements für die Periode 2012 bis und mit 2015 taucht ebenfalls kein Projekt für ein Jugendinformationszentrum auf.

Bleiben es demnach leere Worte, wenn das ED in der Pressemitteilung vom April 2011 schreibt?

«Das Erziehungsdepartement möchte die gemachten Erfahrungen für die Ent­wick­lung anderer Jugendinformationsprojekte[2] nutzen und die Frage, wie Ju­gend­liche am besten über für sie wichtige Themen informiert werden können, weiterhin mit verschiedenen Partnern verfolgen. Die Entwicklung der neuen Medien als wichtige Informationsträger für Jugendliche soll dabei eine besondere Berücksichtigung erhalten.»

Autor: Marcel Borer

[1] Steiner, Olivier; Theisen-Menn, Andreas: Evaluationsbericht Connect Café. Einschätzungen zur neuen Jugendinformationsstelle in Basel. Basel, Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit, Institut Kinder- und Jugendhilfe, April 2010. Unveröffentlicht.
[2] Das vor einigen Jahren im Auftrag der Basler Freizeitaktion BFA von der Hochschule für Wirtschaft in Basel erarbeitete Projekt für eine Jugendinformationsstelle (auf einem Rheinschiff), das in Fachkreisen auf äusserst positive Resonanz stiess, scheint den Autoren des Evaluationsberichts unbekannt zu sein.

 

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